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Neues Leben in der Karli 27

Die Karl-Liebknecht-Str. 27 ist ein markanter Punkt in der Südvorstadt: ein riesiger Glasquader, der in einem langgezogenen Glasrechteck ausläuft. Davor viel wildes Grün. Hier waren bereits ein Multikauf, ein Möbelgeschäft und eine Zoofachhandlung Mieter, und immer ging von diesem Ort eine leichte Melancholie aus. Damit ist es seit Mitte August vorbei, denn seither hat an dieser Stelle Leipzigs größtes Biokaufhaus seine Türen geöffnet. Hinter diesen befinden sich der Leipziger Biosupermarkt Biomare, eine Filiale der in München ansässigen Naturkosmetik-Drogerie Beauty & Nature und das Modegeschäft Grünstoff Ecouture.

Weil das Objekt mit seinen insgesamt 1.200 Quadratmetern für einen Laden allein zu groß war, holte sich Malte Reupert, Inhaber von Biomare, seine beiden Partner ins Boot; zusammen decken sie eine umfangreiche Produktpalette ab. Das Erdgeschoss nimmt Biomare selbst mit einem erweiterten Lebensmittelsortiment ein. »Beispielsweise wird zukünftig auch Frischfleisch an der Fleischtheke angeboten«, konkretisiert Filialleiterin Victoria Tako das ausgebaute Angebot. »Außerdem gibt es natürlich eine Käsetheke, ein großes Weinsortiment und regionale, täglich frisch angelieferte Backwaren.« Die kann man im Café gleich zusammen mit Latte macchiato oder Tee verzehren, falls es nicht doch die Tagessuppe sein soll. Bei Fragen zu veganen und glutenfreien Lebensmitteln hilft das speziell geschulte Personal weiter.

Im Glasquader hat Beauty & Nature seinen Platz eingenommen: Das Erdgeschoss bietet eine breite Auswahl von Naturkosmetikmarken wie etwa Dr. Hauschka, Weleda, Lavera und Martina Gebhardt, die auf einem Schminkstuhl ausprobiert werden können. Eine Parfümerie und klassische Drogerieartikel wie Wasch- und Reinigungsmittel, Haushaltszubehör und Nahrungsergänzungsmittel vervollständigen das Angebot. Im ersten Stock finden Mütter eine ruhige Ecke zum Stillen und Wickeln, Kinder dagegen Abwechslung in der Spielecke. In zwei Kabinen werden naturkosmetische Behandlungen und Massagen vorgenommen, und ein Naturfriseur bringt Farbe auf natürlicher Basis ins Haar.Gleich daneben offeriert der erste Bio-Modeladen Leipzigs – Grünstoff Ecouture – einen schönen Mix aus Ökomodelabels, der sowohl junge, modeaffine Menschen im Blick hat als auch solche, die sich in ihrer Kleidung bei formelleren Anlässen wohlfühlen möchten. Die Damenmode bildet den Schwerpunkt, aber auch für umwelt- und modebewusste Herren ist einiges dabei. Das Label Céline Faizant mit femininen Silhouetten und witzigen Details schätzt Inhaberin Yvonne Jadatz persönlich ebenso sehr wie Raffauf Rainwear, deren Jacken und Mäntel durch elegante Schnitte bei zugleich hoher Funktionalität bestechen. Die Leipzigerin achtet bei ihrem Sortiment, das sie u. a. aus Frankreich und England bezieht, besonders auf Öko-Zertifikate wie GOTS (Global Organic Textile Standard, s. dazu S. 81), doch in Zukunft möchte sie verstärkt auf regional produzierte Mode setzen: »Es geht doch auch darum, dass hierzulande kreativ gearbeitet wird, neue Erwerbsquellen erschlossen und kurze Transportwege in Betracht gezogen werden«, findet sie.Das neue Ökokaufhaus macht die Bio-Einzelhändler in der Südvorstadt sicherlich nicht glücklich – der lokale Wettbewerb wird schärfer. Die Verbraucher können erst einmal von mehr Auswahl profitieren, doch bleibt abzuwarten, wie sich die Bio-Kauflandschaft in Leipzig durch den Neuling dauerhaft verändern wird.

Andrea Katrin Kraus

© mit freundlicher Genehmigung des kreuzer - Das Leipzig Magazin, Ausgabe September 2010