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Im Dialog

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Biomare hat nicht nur zufriedene Stammkunden und Mitarbeiter, sondern erlebt auch starke Anfeindungen. Von Menschen, die noch nie mit uns gesprochen haben. Wir fragen: Wie gut kennt ihr die Zusammenhänge? Warum scheut ihr die offene Diskussion mit uns? Wie steht es um euer Demokratieverständnis, mit eurem Respekt für andere Lebensentwürfe? Wir fordern euch auf: Fragt nach, diskutiert mit uns, schaut genauer hin, zeigt uns, dass ihr die besseren Konzepte habt!


Miteinander reden gefährdet Deine Vorurteile!

Wir wollen hier beispielhaft auf einen der anhaltenden Vorwürfe eingehen:

Biomare wird vorgehalten, dass unsere „Expansion“ kleinere Bioläden in Leipzig kaputt macht.

Die Realität ist, dass sich der Biomarkt auch ohne Biomare hin zu größeren Läden entwickelt, weil viele Menschen diese Ladenformate bevorzugen. Dies kann man in allen deutschen Städten seit 20 Jahren beobachten. Die Frage ist also nicht, ob Groß oder Klein, sondern allein, durch wen die Biosupermärkte eröffnet werden. Auch wenn wir zur Zeit in Leipzig als „die Großen“ wahrgenommen werden: mit drei Läden gehören wir im deutschen Vergleich zu „den Kleinen“. Ganz konkret haben wir uns als lokales und qualitätsorientiertes Unternehmen zwei Standorte gesichert, die sonst von überregionalen Bioketten übernommen worden wären, die zeitgleich diese Ladenflächen anmieten wollten. In Plagwitz hätte sogar der Großhändler Dennree mit einem seiner mittlerweile fast 200 Denn`s Biomärkten seinem eigenen Kunden (die KostBar in der Nachbarschaft) Konkurrenz gemacht. Dies ist die Realität, in der wir uns alle bewegen.


Des Weiteren möchten wir zu bedenken geben: Unser gemeinsames, demokratisches Grundverständnis beinhaltet, dass jeder Mensch eigenständig und frei entscheidet – zum Beispiel auch darüber, wo er einkauft. Der Vorwurf, dass Biomare die kleinen Läden kaputt konkurriert, beinhaltet jedoch den Vorwurf an die Biomare-Kunden, dass sie „im falschen Laden“ einkaufen. Mit anderen Worten: hinter diesem Vorwurf steht die Haltung: „Ich weiß was richtig ist, die anderen (die Biomare-Kunden) jedoch nicht“. Das finden wir ziemlich anmaßend.


Die Frage der grundlegenden Glaubwürdigkeit des genannten Vorwurfes soll hier nur angerissen werden: Warum wird uns das Anbieten einer Alternative vorgeworfen, etwas, das in allen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen akzeptierte Normalität ist? Welcher Bäcker, Friseur ist schon beschimpft worden, weil es im Viertel schon einen/mehrere andere gibt? Welchem Arbeitsuchenden wird moralisch angekreidet, dass er sich mit seiner Bewerbung in Konkurrenz zu anderen Menschen in ähnlicher Lage begibt?


Wir möchten außerdem die Frage nach den tatsächlichen Motiven jenseits der Sachfragen für diese Anfeindungen stellen: Ist die Furcht vor der drohenden Infragestellung des eigenen Weltbildes durch eine echte Auseinandersetzung (in diesem Falle mit Biomare) größer als der Wille, selbst eine faire und demokratische Kultur im Alltag und im Viertel zu leben?


Wir scheuen keine kontroverse Diskussion. Offen und konstruktiv kritisieren und das Auseinandersetzen mit Kritik ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Biomare-Kultur. Daher laden wir alle Kritiker ein, sich doch direkt mit uns, mit unseren tatsächlichen und/oder vermeintlichen Fehlern und mit unserer Motivation auseinanderzusetzen. Dies ist auch für uns wichtig, weil wir daraus lernen.


Aber vielleicht geht es manchmal gar nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung? Vielleicht ist Biomare mit seinem Motto „kleine Schritte verändern die Welt mehr als viele große Reden“ ja einfach nur der Stachel im Fleisch von Menschen, deren gestalterische Kraft sich darin erschöpft, von anderen zu fordern, was diese zu verändern haben? Vielleicht sind wir auch nur die willkommene Projektionsfläche für eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben?