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Im Dialog

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Biomare hat sich vom „kleinen Connewitzer Underdog“ zum lokalen „Bio-Helden“ entwickelt. Ist Biomare deshalb in der Maschinerie von Kapitalismus, von Wachstumszwang und Konsumwahn aufgegangen? Wir glauben: Das Gegenteil ist der Fall. Denn wir verstehen uns als ein Teil der „Graswurzelrevolution“, die im Begriff ist, die ökonomischen Verhältnisse grundlegend zu verändern.


We do de-growth by growing

Die Grenzen des (wirtschaftlichen) Wachstums sind durch den zunehmenden Ressourcen- und Naturverbrauch immer offensichtlicher. Andererseits scheint der ökonomische Automatismus unserer modernen Volkswirtschaften dies immer dreister zu ignorieren.

Unter den Schlagworten „Wachstumskritik“ und „Degrowth“ versammelt sich eine stärker werdende Gegenbewegung. Nur gibt es tatsächlich auch Gegenkonzepte, die funktionieren können? Wir glauben, dass ein Verzichtsappell oder auch eine staatliche Verbotsflut kaum nachhaltige Wirksamkeit entfalten werden.

Die Dynamik einer funktionierenden Wirtschaft ist das Rückgrat jeder Gesellschaft. Sie lässt sich nicht durch Aufhalten oder Zurückdrehen verändern. Wir glauben aber, dass man ihr eine andere Richtung geben kann – wenn man sie versteht und an wirksamen Stellen die Mechanik umlenkt.

Natürlich sind hier Demokratie, Regierung und Gesetzgebung gefordert. Allerdings wird all dies eine leere Hülle bleiben, wenn wir diesen Rahmen nicht auch mit (wirtschaftlichem) Leben füllen.

Und aufgrund der vom Prinzip her sehr demokratischen Funktionsweise des Marktes existiert dieser Rahmen mindestens teilweise schon heute: Wir sind frei in unseren Entscheidungen zwischen nachhaltigen und umweltzerstörenden Produkten, in unseren Entscheidungen zwischen ökologisch verantwortlichen oder ressourcenfressenden Arbeitsplätzen, in unseren Entscheidungen für oder gegen nachhaltige Produktionsweisen, wenn wir in Führungspositionen in Wirtschaft und Verwaltung sind.

Auch wir von Biomare versuchen als kleines, lokales Unternehmen in unserem Arbeitsbereich den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Indem wir unseren Einsatz von Materialien und Energie und unseren Wareneinkauf nach Kriterien der Nachhaltigkeit gestalten. Indem wir unser Abfallmanagement so ressourcenschonend wie möglich gestalten. Indem wir Verpackung sinnvoll reduzieren. Indem wir unsere Lieferanten nach diesen Kriterien auswählen. Indem wir ökologischen Baustoffe, Farben und Materialien verwenden. Aber auch, indem wir manche Reflexe (wie z.B. dass Papiertüten besser sind als solche aus Plastik) auf ihre fachliche Substanz hinterfragen.

Biomare ist von einem Ein-Mann-Kleinstunternehmen auf mittlerweile 3 Biosupermärkte mit Verwaltung und eigener Lebensmittelmanufaktur gewachsen. Widerspricht dies nicht dem Degrowth-Gedanken? Wir glauben: Im Gegenteil! Denn indem wir nachhaltigere, ressourcenschonendere Produkte anbieten, bieten wir vielen Menschen die Möglichkeit, nachhaltiger, also im Sinne von Degrowth zu leben. Jedes konventionelle Brot, jedes Gemüse, jeder Liter Milch, jeder Fastfood-Artikel, der durch ein entsprechendes Bio-Lebensmittel ersetzt wird, senkt den Ressourcen- und den Flächenverbrauch. Auf der einen Seite wächst dadurch die Wirtschaft insgesamt im (Geld)-Volumen, weil Bioprodukte mehr Arbeit enthalten und dadurch teurer sind. Gleichzeitig sinkt mit dem Umstieg von Konventionellem auf Biologisches der Verbrauch von endlichen Ressourcen. Immer mehr Menschen zahlen für nachhaltige Produkte die notwendig höheren Preise. In der Konsequenz verändert das Schritt für Schritt die gesellschaftliche Realität.


Das rechnerisch-finanzielle Wirtschaftswachstum wird für die soziale Säule der Nachhaltigkeit benötigt. Entscheidend ist es, dieses Wachstum der Wirtschaft, also des sogenannten Bruttosozialproduktes vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln. Dies passiert, indem wir zum Beispiel von konventionellen Lebensmitteln auf ökologische umsteigen.

We do degrowth by growing.