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Unser Handeln zählt

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Alles muss klein beginnen ...

1997: Der Bio-Lieferservice geht an den Start. Am Anfang stand die Frage: Woher bekomme ich gute Lebensmittel für meine Familie, meine Freunde und mich? Als studentische Kleinstfirma gegründet, brachte der „Bio-Lieferdienst“ zunächst mit einem uralten Passat Kombi wöchentlich Gemüsekisten - vor allem regionale Erzeugnisse - zu einer Handvoll Kunden in Leipzig.

1998: Das erste Ladenprojekt. Ich war immer noch Student und gemeinsam mit einem Lieferdienstkunden wurde der erste Bioladen im Leipziger Süden geplant, finanziert, gebaut und in Schwung gebracht.

Eröffnet wurde im Dezember in der Karl-Liebknecht-Str. 30/32 auf hundert Quadratmetern, das war für damalige Maßstäbe ein großer Bioladen. Die geschäftliche Partnerschaft brach jedoch – für alle Beteiligten schmerzhaft – schon Anfang 1999 auseinander.

2000: Übernahme des Connewitzer Biolädchens. Ein reichliches Jahr später stand ein kleiner, gerade eröffneter Bioladen am Wiedebachplatz vor der Schließung. Ich lieh mir im Freundeskreis Geld und stieg in den Laden ein. Veränderungen und neuer Elan führten zum Erfolg: Kundenansturm, Umsatzsteigerung, die erste Mitarbeiterin. Leider blieb das Studium auf der Strecke.

2001: Umzug in die Bornaische Straße 3e. Mehr Kunden heißt mehr Arbeit – und braucht mehr Fläche. Wir zogen im Sommer 2001 um und waren mit 140 Quadratmetern Verkaufsfläche einige Monate lang der größte Bioladen Ostdeutschlands.

In den westlichen Bundesländern und in Berlin schossen Biosupermärkte inzwischen wie Pilze aus dem Boden. Für uns stand fest: Wir müssen uns weiter entwickeln, wenn wir (damals fünf Leute) unseren Platz behaupten und nicht dauerhaft ein Einkommen unter dem Existenzminimum erwirtschaften wollen. In den fünf Jahren in der Bornaischen Straße führten wir als erster Bioladen Leipzigs die Computerkasse ein, waren die ersten mit einem breiten Wurst- und Fleischsortiment. Wir bauten dreimal die Kassen um, verbesserten viermal die Kühlanlage, das Team wuchs auf neun Personen an.

Drei Jahre (!) florierte unser Geschäft ohne irgendeine Beschriftung oder Werbung am Haus, die Kunden kamen auch so. Und immer mal wieder kam ein neues Regal hinzu, es wurde erneut sehr eng. 2006 erreichen wir die erste Umsatzmillion.

2006: Wir ziehen wieder um – der erste Biosupermarkt in Ostdeutschland. Eher zufällig fanden wir den ehemaligen Pferdestall der Leipziger Straßenbahn in der Simildenstraße – zuletzt ein Autohaus. Er stand seit drei Jahren leer, wir haben gemietet!

Vorangegangen waren zwei Jahre Beschäftigung mit der Entwicklungsdynamik des Biomarktes: Umschauen bei Kollegen in anderen Städten, Lesen, Nachdenken, Diskutieren, Rechnen. Wir haben langfristig nur eine Chance, wenn wir uns auf Biosupermarktgröße entwickeln. Dies, so zeigen die Verhaltensweisen der meisten Biokäufer, ist auch von den Kunden gewollt.

... und endlich ist es groß!

Innerhalb von zwei Monaten entstand mit sagenhaft wenig Geld (ca. 120.000 €, davon der übergroße Teil Kundenkredite sowie ein Warenkredit durch den Hauptlieferanten) und der Hilfe vieler Kunden, Freunde und Bekannter BioMare in der Simildenstraße.

Ganze vier Tage brauchten wir, um den kompletten alten Laden ab- und am neuen Standort wieder aufzubauen – zur Eröffnung Anfang Oktober fehlte nur noch die Drogerieabteilung. Mit neuen und alten Holzregalen (alle in Eigenbau gefertigt), mit aufgearbeiteter alter Kühltechnik, die ein neues, effizientes technisches Herz bekommen hatte, und mit zwei neu gestrichenen, uralten Rewe-Kassen aus Nordbrandenburg ging es los. Doch am Anfang gleich der Supergau: Das neue Kassensystem funktionierte nicht, die Kassen waren in den ersten zwei Wochen beschämend langsam und wir verärgerten viele erwartungsvolle Kunden. Das Eröffnungsfest zwei Wochen später veranstalteten wir mit den letzten Kraftreserven.

BioMare ist geboren und wächst weiter. 2009 erreichten wir die zweite Umsatzmillion und erstmals auch einen akzeptablen Gewinn. Anfang 2010 waren wir 25 Beschäftigte, zum größten Teil in Vollzeitstellen zu 35 bis 40 Stunden. Zu dieser Zeit bestand auch unsere erste Auszubildende, Annelie S., ihre Prüfungen nach dreijähriger Lehrzeit.

BioMare strukturiert sich aufgrund der wachsenden Umsätze immer wieder neu. Es wurde umgebaut, wir fingen an, über Kommunikationsstrukturen nachzudenken, den Mitarbeitern wurden feste Aufgabenbereiche zugeteilt, Abteilungen mit Abteilungsleiterinnen wurden eingeführt.

2010: Nachwuchs – BioMare II in der Südvorstadt. Die Frage, ob wir den Schritt wagen sollten, einen zweiten Markt zu eröffnen, habe ich mir zum ersten Mal 2007 gestellt. Die Welt um uns entwickelt sich weiter, auch wenn dies manchmal nur die Fachleute wahrnehmen. Die Bio-Filialisten werden stärker, der Wettbewerb ist – gerade in Berlin – zum Verdrängungswettbewerb geworden. An unserem Standort in einer versteckten Nebenstraße erschien BioMare sehr angreifbar. Schließlich kaufen die allermeisten Menschen nach optimierten Kriterien ein: kurzer Weg, gute Erreichbarkeit, großer Markt mit großer Auswahl. Wenn ein Alnatura in der Nähe eröffnet, spielt es für die meisten Menschen keine Rolle, wer zuerst da war oder wer von hier ist und wer nicht.

BioMare muss sich auf die Begehrlichkeiten der Bio-Filialisten einstellen. Und während der Verhandlungen über den Mietvertrag zu BioMare II zeigte sich: Wir waren keine Minute zu früh, denn wir hatten einen der Bio-Filialisten als Mitbewerber um die Ladenfläche.

Damit im August 2010 eröffnet werden konnte, war in kurzer Zeit sehr viel zu organisieren: Finanzierung, Bauplanung, Einstellung und Einarbeitung von Personal und vieles mehr. Und weil die Gesamtfläche für uns zu groß war (wir konnten die Investition allein nicht mit Sicherheit stemmen), suchten wir uns einen Partner: Beauty & Nature, uns seit Langem als kleinerer Großhändler auch persönlich bekannt, übernahm die knappe Hälfte der Fläche für einen Bio-Drogeriemarkt.

Das alles lief viel besser und flüssiger als 2006. Wir wurden hervorragend unterstützt von unserem Großhändler Weiling. Erstmals ist auch eine Bank an der Finanzierung beteiligt: Die alternativ ausgerichtete GLS Bank aus Bochum gab uns einen Kredit zu außerordentlich fairen Bedingungen. Am 19. August 2010 eröffneten wir: Es ist ein Biomarkt entstanden, der auch deutschlandweit Beachtung findet und, wir dürfen es stolz sagen, zu den Besten der Branche gehört.

Was die Zukunft bringen wird ...

... wissen wir natürlich nicht. Erfolg lockt Trittbrettfahrer an: Der erste Bio-Filialist hat sich in Leipzig eingemietet und sein Kommen angekündigt. Viele meiner Kollegen haben diese Entwicklung ähnlich vollzogen und behaupten sich gut, ob in Berlin, Stuttgart, Aachen, München, Tübingen, Hamburg oder Gießen: Regional verwurzelte, inhabergeführte Biosupermärkte sind die stärksten und glaubwürdigsten Ansprechpartner für Bio vor Ort. BioMare wird sich weiter entwickeln. Mit hervorragenden Mitarbeitern an Bord, zuverlässigen Partnern und offenen, konstruktiven Kunden sehen wir noch sehr viel Potential. Solange wir Freude daran haben, werden wir mitmischen und für Sie da sein.

Ihr Malte Reupert und das Team von BioMare